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Fan-Fiction

 

Nemesis

von Joseph Robert Robin Terry Carter

This story is dedicated to my ´big brother`, who is there when I need him, and to Jenny E. Lady Lovecraft, my favourite Batman-Fan - without you, I would not have been able to write this story - as a matter of fact, I wouldn`t read comics at all...

Through the ghoul-guarded gateways of slumber
Past the wan-mooned abysses of night
I have lived o´er my lifes without number
I have sounded all things with my sight,
And I sounded and shriek ere the daybreak, being
driven to madness with fright.
(From: Howard Phillips Lovecraft, ´Nemesis`)

I. Akt: Shadow from the Past

Es war Nacht. Gotham City lag da wie ein riesiger, faulender Organismus, ein Leichnam, dem die blitzenden Lichter einen Anschein von Leben verliehen. Ein krankes, widernatürliches Leben inmitten des Chaos, des Wahnsinns. Gotham war wirklich wie ein Leichnam, an dem die Würmer nagten. Die Stadt tanzte einen Tanz am Rande des Chaos, jederzeit in der Gefahr, abzustürzen. Gotham City war ein Ort der Dunkelheit, ein Hort des Wahnsinns - Lovecrafts und Kafkas düsterste Phantasien in menschliche Form gepresst, in die Form einer Großstadt.
Und gerade hatte der schlimmste aller Alpträume die Stadt betreten: Nemesis.

Robin gähnte ausgiebig. Er war müde, erschlagen, erledigt - immerhin war er zwar Robin, der Wunderknabe - aber er war auch Timothy Drake, ein 14 - jähriger Junge, der seinen Schlaf brauchte und Raubbau an seinem Körper betrieb. Und jetzt war er seit 27 Stunden auf den Beinen - in Gotham war die Hölle los. Seit der Seuche war alles noch schlimmer geworden - mittlerweile gab es zwar die Möglichkeit, zur Außenwelt und umgekehrt zu reisen, aber... genau das hatte die Situation ei-gentlich nur verschärft. Das Chaos herrschte. 
"Hallo!"
Robin fuhr hoch. Er war unkonzentriert gewesen - ein tödlicher Fehler! Eine kurze Unachtsamkeit konnte sein... "Du???"
"Klar! Wen hast du erwartet?" 
Spoiler. Die kleine Aushilfsheldin, die sich einbildete, in ihn verliebt zu sein... na gut, wenigstens würde sie ihn nicht beim Großen verpetzen...
"Was willst du?"
"Sei nicht so unhöflich... ich brauche deine Hilfe!"
"Wobei? Ist dir langweilig?"
"Nein. Es geht um Mord!"
"Was????"
"Billy Richards ist gestern ermordet worden - von jemandem im Kostüm..."
"Was... wer..."
"Du wirst es nicht glauben - wir müssen annehmen, daß es Huntress war... die Zeugen sagen aus, daß eine Frau im dunklen, hautengen Kostüm mit einem goldenen Kreuz und einer Armbrust in eine... Transaktion geplatzt ist - und Billy erschossen hat. Ohne Warnung."
"Das war nicht Hel... ich meine Huntress! Ich kenne sie! Ich muß mit Batman reden!"
"Warte, ich..."
Zu spät. Robin war in der Nacht verschwunden. Spoiler seufzte. Woher hatte er das nur?

Billy Richards war tot - nicht gerade ein großer Verlust für die Gesellschaft. Mit zwölf hatte er angefangen, Autos zu knacken - heute, vier Jahre später, hatte er seine Finger in Drogengeschäften und ähnlichen Dingen... Aber trotzdem - niemand hatte das Recht, ihn zu töten. Huntress? Es würde passen - sie galt als skrupellos, brutal und als Frau ohne Gnade... außerdem wußte Tim, daß Helena Bertinelli vor etwa einer Woche einen Schüler verloren hatte. Der goldene Schuss. Trotzdem - Huntress war keine Killerin. Er traute ihr.

Jean - Paul Valley betrat das Hotelzimmer, in das er geflohen war. Er wurde verfolgt - er wußte nicht, von wem oder weshalb - aber er wurde verfolgt. Also war er nach Gotham gegangen - wenn ihm einer helfen konnte, dann wohl Batman. Und er hatte Hilfe verdammt nötig. Er war am Ende. Geistig und körperlich. Noch hatte er Batman nicht gefunden - und er traute sich nicht, nach Wayne Manor rauszufahren. Aber Batman war ohnehin nicht der Typ, den man fand. Entweder er fand einen, oder man traf ihn nicht. Ganz einfach. Und darauf wartete Jean - Paul jetzt. Ihm war klar, daß Batman von seiner Flucht wuß-te - früher oder später - eher früher als später - würde er kommen und mit ihm reden. 
Jean - Paul Valley betrat die kleine Küche, warf einen Blick in die wohnzimmerähnliche Nische - und erstarrte. Da saß jemand - und er hatte ihn nicht bemerkt! Ein Kerl im weißen Kostüm. Und er kannte dieses Kostüm - allerdings in einer anderen Farbe. In dem Moment warf sich sein Gegner nach vorne, riß ihn um und nagelte ihn mit seinem Unterarm am Boden fest. Jean hatte zu lange gezögert. Nicht gerade schmeichelhaft.
"Du bist also der Kerl, der versucht hat, mir mein Kostüm wegzunehmen..."
"Ich... ich habe... was..? Aber... Vater... hatte keinen Sohn... außer... mir... ich bin... der wahre... Azrael..."
"Azrael? Hahaha hahaha... Wer will denn schon das Kostüm eines gefallenen Möchtegernengels, einer gestörten Seitengruppe der Templer? Ich rede von meinem Kostüm. Du bist tot!"
Mit diesen Worten beendete der Fremde das unwürdige Spiel und zog die rasiermesserscharfen Kanten, die an seinem Hand-schuh befestigt waren, durch die Kehle des jungen Mannes. Jean - Paul konnte nur hilflos zusehen, wie das Leben aus ihm herausrann. Es wurde schwarz vor seinen Augen.

Dick Grayson verfluchte seine eigene Dummheit. Wie hatte er nur so... himmelschreiend dämlich war das Wort, das er suchte - wie hatte er nur einen solchen Fehler machen können? Okay, er war ein junger Mann, der sich ab und an von seinen Hor-monen leiten lassen konnte - aber nicht so völlig, wie ihm das an diesem Abend passiert war. Er war auf die junge Frau he-reingefallen, die er erst gestern kennengelernt hatte. Er hatte sie mit nach Hause genommen, und einige Stunden mit ihr... verbracht. Dann war er eingeschlafen - der zweite Fehler hintereinander! Und als er aufgewacht war - da hatte sie ihn mit einem Paar Handschellen ans Bett gefesselt! Und das auch noch nackt, wie Gott ihn schuf... 
"Sonia... was... laß mich..."
"Ach, hallo, Langschläfer! Na, wünsche wohl geruht zu haben!"
"Was ist hier..."
"Passiert? Los? Schief gelaufen? Laß es mich so ausdrücken, daß sogar du es verstehst - du Mann, ich Frau. Ich dich reinge-legt. Du tot. Pech!"
Dick fingerte fast verzweifelt an dem Schloß. Normalerweise - rund drei Minuten. Im Moment - er war nicht sicher... er hoffte nur, ihm blieb noch genug Zeit, es herauszufinden...
"Wer bist du?"
"Och, ich heiße Sonia - zumindest manchmal... aber ich dachte immer, du wärst der Wunderknabe, der immer alles weiß..."
"Nenn mich nicht Wunderknabe!"
Es gab nur einen Menschen, der ihn so nennen durfte - Barbara ´Babs` Gordon - was hatte er ihr nur angetan, in dem Mo-ment, als er mit dieser Sonia... er verfluchte sich noch einmal...
"Wieso? Ist dir denn wirklich noch nicht aufgefallen, daß ich weiß, wer du bist, Nightwing?"
Erneut erschrak Dick - sie wußte, wer er war. Das bedeutete...
"Was würde die große, böse Fledermaus sagen, wenn sie ihren geliebten Schüler so sehen würde - Bruce würde das nicht gefallen, oder?"
Sonia (was garantiert nicht ihr richtiger Name war) hatte in der Küche zu tun. Sie hatte mit einem Feuer zu tun, um genau zu sein... Nach etwa zwei Minuten kam sie wieder. Zu früh. Dick versuchte fieberhaft, sich zu befreien. Er war zu langsam. Sie beugte sich über ihn und strich ihm sanft über das Gesicht. Eigentlich bist du ja ganz süß... aber leider... du hast nicht vor, in nächster Zeit die Fronten zu wechseln?"

Arkham Asylum lag ruhig da - ein Schloss in der Mitte der Nacht, das durchaus einen Geist enthalten mochte. Dieses Haus enthielt jedoch mehr als eine gequälte Seele, mehr als einen, der von Dämonen verfolgt wurde. Eigentlich hätte der Name Usher House ebenso gut gepaßt - das Gebäude machte den Eindruck, als könne kein geistig gesunder Mensch dort leben. Tat auch keiner. Arkham war die Müllhalde für den Abschaum menschlicher Gemeinschaft, für Wesen, die niemand in seiner Um-gebung ertragen wollte - oder konnte.
Joker. Scarecrow. Two - Face. Riddler. Das Übelste, das die Menschheit je hervorgebracht hatte... 
Und es war der Arbeitsplatz von Doctor Burton. Er hatte einen Mördertag hinter sich. Er hatte versucht, zu Poison Ivy durch-zudringen, irgendwie den Panzer, den sie um sich gelegt hatte, zu überwinden - und er meinte, seinem Ziel einen Schritt näher gekommen zu sein. Endlich. Nach all den Jahren, all den Niederlagen, all den Enttäuschungen sah es endlich einmal so aus, als könnte eine Schlacht in diesem Krieg gewonnen werden, den er so lange so verbissen führte.
"Bye, Howard!"
"Machen Sie´s gut, Doc! Wir sehn uns morgen?"
"Klar!"
Falsch. In dem Moment kam eine Gestalt aus der Dunkelheit und warf sich auf den Wächter und den Psychiater. Das Gemet-zel dauerte nur Sekunden - der Fremde traf den Wachmann mit einem schnellen Fausthieb. Der Mann taumelte - er war völlig überrascht worden. Genau wie Doktor Burton. Der hatte noch weniger Chancen. Blitzschnell hatte der Angreifer die Hals-schlagader des Arztes durchtrennt. Howard kam auf die Füße und riß die Waffe aus dem Halfter. Zu spät. Mit einer unglaub-lich fließenden Bewegung griff der Fremde an seinen Gürtel, riß etwas daraus hervor und warf etwas blitzendes, schillerndes nach dem Mann und trennte die Hand sauber vom Arm ab. Der Wachmann schrie auf und hielt sich den blutenden Arm-stumpf. Der Angreifer machte kurzen Prozeß. Von seinem Besuch blieben nur zwei Leichen übrig - und ein Beweismittel, das allerdings...

"Huntress? Bist du sicher? Ja Bruce! Genau das haben die Zeugen ausgesagt. Aber wir wissen beide, daß sie niemanden töten würde, oder?"
"Ich bin mir da nicht so sicher... du weißt - jeder Mensch kann über die Grenze getrieben werden... die Frage ist nur - was könnte jemanden wie Huntress zu einem Mord treiben? Ich dachte, sie hätte sich besser unter Kontrolle... ist die Information verläßlich?"
"Ich habe es von Spoiler gehört. Und sofort überprüft - bei den üblichen... Quellen. Ich bin sicher, daß die Zeugen überzeugt sind, Huntress gesehen zu haben - aber das glaube ich nicht - kann ich nicht glauben!"
"Mir fällt es auch schwer, daran zu glauben... aber trotzdem..."
"Ich werde mit ihr reden!"
"Ich habe versucht, sie über das JLA - Signal zu erreichen, aber sie meldet sich nicht."
"Okay, dann werde ich sie zuhause besuchen..."
Robin verschwand.
"Viel Glück, Junge..."

"Die Frage meinst du nicht ernst, oder?"
In dem Moment spürte Dick, wie der Schmerz in seiner Brust explodierte. Sonia hatte ihm etwas glühend Heißes gegen die Brust gepreßt - und er wand sich vor Schmerzen. Die Tränen schossen ihm in die Augen, er konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen - und Sonia grinste. Ein freudloses Lächeln, das eiskalte Grinsen eines Reptils, einer falschen Schlange.
"Uuuuups, hat das weh getan? Heiliges Ungeschick! Das tut mir aber schrecklich traurig... wenn du wüßtest, wie leid mir das... wo hast du eigentlich den Werkzeugkasten?"
"Was?", keuchte Dick.
"Na, dein Werkzeugkasten! Ich brauche einen großen, bösen, schweren Hammer - damit ich dir... ach nein, damit würde ich dir ja die Spannung verderben... Oh, magst du eigentlich diesen Kleinen, Tim, äh - Robin! Weißt du, der Kleine ist ja so was von vertrauensselig... sollte man ihm austreiben... na ja, dürfte dir im Rollstuhl reichlich schwer fallen!"
"Weißt du, was dein... Problem ist?"
"Was denn, großer, böser Wunder..."
In dem Moment war Dick Grayson frei. Er rollte sich vom Bett, schwang sich nach oben, stand und trat zu. Sonia wurde zu-rückgeworfen.
"Du redest zu viel! Und jetzt hätte ich gerne ein paar Antworten!"
In dem Moment warf sich Sonia aus dem Fenster.
Im Fallen griff sie nach einem Fensterbrett, schwang sich durch das offene Fenster - und verschwand.
Dick fluchte - seine Brust schmerzte, ihm war kalt - und nach dieser Art Besuch fühlte er sich auch nicht gerade sonderlich wohl. Langsam schleppte er sich zum Telefon, nahm den Hörer und benutzte die Schnelldurchwahl. Nach Wayne Manor. Bruce mußte gewarnt werden.

Robin betrat die Wohnung. Natürlich durchs Fenster. Hier wohnte Helena Bertinelli. Huntress. Nur wenige Menschen kannten ihre Geheimidentität. Tim gehörte dazu. Bruce machte keinen Hehl daraus, daß er ihr nicht traute und ihre Methoden verab-scheute - deshalb kannte er auch ihre wahre Identität nicht. Behauptete er zumindest. Um ehrlich zu sein - Tim war da nicht so sicher. Es wäre dem alten Mann durchaus zuzutrauen gewesen, die Geheimidentität von Huntress heraus zu bekommen - und das dann für sich zu behalten...
"Hallo? Bist du hier?" Die Wohnung war verlassen. Leer. Ohne Huntress. Das machte Tim nun wirklich Sorgen. Irgend etwas stimmte hier nicht... Er war ziemlich sicher gewesen, daß Huntress zu Hause war... In dem Moment gingen bei ihm die Lich-ter aus...

Bruce saß im Arbeitszimmer und starrte vor sich hin. Kein Licht erhellte den dunklen Raum - Bruce saß am Schreibtisch direkt unter dem großen Fenster und sah vor sich. Er grübelte. Was war nur mit Gotham los? Dick wurde von einer Unbekannten überfallen. Jean - Paul Valley war tot. Doctor Burton und ein Wächter in Arkham - tot. Und Robin? Bruce war sich nicht sicher, ob es eine gute Idee gewesen war, ihn zu Huntress zu schicken - er traute ihr nicht vollkommen, ihre Methoden stießen ihn ab. Er war die personifizierte Gerechtigkeit - unerbittlich, streng - aber immer so gerecht wie möglich! Huntress dagegen... sie war wild, undiszipliniert, mehr an der Jagd an sich als am Ergebnis interessiert - trotzdem hatte Tim recht. Sie würde nie jemanden kaltblütig töten. Nicht Huntress... Auch wenn er ihr nicht traute - sie war Teil seiner ´Familie` - einer Familie, die er sich über die Jahre aufgebaut hatte - und die jetzt bedroht wurde. Azrael. Nightwing. Robin. Huntress. Alle wurden von jemanden bedroht. Das würde er nicht zulassen. Nie wieder! Er hatte einmal seine Familie verloren - in einer dunklen Seiten-gasse, innerhalb vom Bruchteil einer Sekunde, innerhalb der Zeit, die man braucht, um zwei Pistolenschüsse abzugeben... In dieser Nacht war etwas in ihm zerbrochen - und der Batman war geboren worden, eine Kreatur der Nacht. Mehr als ein Mensch - ein Schatten, ein Flüstern... Der Junge in ihm war in dieser Nacht ebenfalls gestorben - Bruce Wayne war nur eine leere Hülle, unter der dünnen Oberfläche befand sich jemand anderes - eine Kreatur der Nacht. Batman. Der Alptraum von Gothams Unterwelt. Und ein Symbol. Ein Symbol für Gerechtigkeit. Und für die Sicherheit der Menschen. Und das war seine Aufgabe. Bruce erhob sich. "Alfred! Ich brauche Ihre Hilfe. Wir müssen einen Mörder finden!"

Batman war unterwegs. Das war jedesmal das Schwerste für Alfred Pennyworth - das Warten. Die Unsicherheit. War er noch am Leben oder schon tot? Hatte er es noch einmal geschafft? War er verletzt? Bruce Wayne war seine Familie, mehr als ein Sohn. Er liebte ihn mehr als jeden anderen Menschen. Er war stolz auf das, was aus diesem wütenden, unbeherrschten Jun-gen geworden war - ein Mann mit Idealen, mit Werten, denen er sich bedingungslos unterordnete.
Der Computer erwachte zu blinkenden Leben. Das Überwachungsband von Arkham! Gordon hatte ihm versprochen, es zu schicken. Alfred ließ das Band durchlaufen. Das Gespräch der beiden Männer. Der Angriff. Als Alfred den Angreifer das erste Mal sah, erstarrte er. Viel war nicht zu erkennen, nur ein weißer Schatten, der sich blitzschnell bewegte. Nur die Art, wie er sich bewegte, kannte Alfred. Er sah sich das Band noch einmal an. Das Kostüm, das der Fremde trug, sah aus wie... und die Bewegungen... aber... das konnte nur bedeuten...

"Oracle! Hier ist Alfred!"
"Was... Sorry. Was ist? Kann ich helfen?"
"Ja! Sie müssen... einen Namen für mich... überprüfen..."
"Jederzeit. Um wen geht es?"
"Um Thomas Wayne Junior."

"Alfred, Sie schulden mir eine Erklärung!"
Barbara Gordon hatte extra den Weg nach Wayne Manor auf sich genommen, um mit Alfred zu reden. Sie hatte nachge-forscht - und Erschreckendes herausgefunden...
"Sie haben wohl recht.. Aber zuerst - was haben Sie herausgefunden?"
"Thomas Wayne Junior. Sohn von Thomas und Martha Wayne. Ältester Sohn von Thomas und Martha Wayne. Offiziell ge-storben - zwei Wochen vor dem Tod seiner Eltern. Bei einem Autounfall. Die Leiche war total verbrannt und konnte nur an-hand der Zahnabdrücke identifiziert werden. Also - was ist hier los???"
"Master Bruce... hatte einen Bruder... ich habe nur durch Zufall von ihm erfahren... Vor einigen Jahren gab es Schwierigkei-ten mit einem Bauprojekt von Wayne Enterprises - die Besitzverhältnisse waren nicht ganz geklärt... Um Master Bruce den Ärger zu ersparen, und um zu verhindern, daß Mister Fox zu tiefen Einblick in... gewisse Ausgaben betreffend des Wayne Vermögens erhält... Auf einer dieser Akten fand ich den Namen "Thomas Wayne Junior" - das war Teil des Problems... Ich versuchte, mehr über diesen Thomas Wayne herauszufinden - und kam auch nicht weiter als Sie, Miss Gordon... Deshalb entschied ich mich, Master Bruce nichts zu sagen... Bis ich dieses Video sah... Die Bewegungen dieses Mannes ähneln denen von Master Bruce in geradezu markanter Weise... deshalb habe ich Sie gebeten, den Mann noch einmal zu überprüfen..."
"Na ja, ich habe da noch etwas herausgefunden..."

"Was wollen Sie mir damit sagen, Alfred? Ich habe einen Bruder? An den ich mich nicht erinnere?"
"Das ist eine adäquate Zusammenfassung, Sir. Mit einer kleinen Korrektur - Sie hatten einen Bruder. Er ist tot. Zumindest nach den offiziellen Akten."
"Offizielle Akten? Und was hast du heraus gefunden, Oracle?"
"Na ja, das war nicht so ganz einfach... Zunächst habe ich..."
"Oracle, Nightwing und Robin sind in Gefahr! Ich brauche nur die Zusammenfassung - die dafür aber möglichst schnell!"
"Also, TJ war wohl doch nicht so... ganz tot... Auf jeden Fall tauchte jemand, auf den die Beschreibung deines Bruders perfekt paßt, gute acht Monate später in Chicago auf. Halt dich fest - als Schwiegersohn eines Mafia - Dons!"
"Wieso weiß ich nichts davon?"
"Weil der Gute etwa drei Jahre später wieder verschwand. Anscheinend endgültig. Ohne eine Spur zu hinterlassen, die ich finden könnte."
"Such weiter! Und was bringt Sie auf den Gedanken, dieser Fremde könnte mein Bruder sein?"
"Das Studium seiner Bewegungen, Sir. Ich war und bin nicht sicher - aber die Ähnlichkeit ist frappierend."
"Ich werde das Band studieren. Oracle, ich muß mit Nightwing reden!"
"Sofort, Batman!"
"Nightwing, hier spricht Batman! Melde dich!"
Aus dem Lautsprecher kam Dicks Stimme, wütend, erregt.
"Was ist los? Ich habe zu tun! Ich muß..."
"Das kann warten. Robin ist verschwunden, ebenso wie Huntress. Ich brauche dich hier in Gotham City. Jetzt!"
"Hör zu, ich habe eigene Probleme, ich kann nicht..."
"Ich erwarte dich in zwanzig Minuten. Sei pünktlich!"
Bruce wandte sich dem Video zu...

Timothy Drake (alias Robin) erwachte - nicht langsam, sondern schlagartig. Er war sofort geistig und körperlich anwesend. Er hielt den Kopf gesenkt, öffnete die Augen einen Spalt und sah sich um, soweit das ging, ohne den Kopf zu bewegen. Er sah den Boden einer... Lagerhalle, oder Fabrik, oder so... In dem Moment explodierte der Schmerz in seinem Kinne.
"Du bist wach! Spiel mir nichts vor!"
Mühsam öffnete Tim die Augen und sah - Batman! Es gab nur zwei Unterschiede zwischen der Gestalt vor ihm und dem Bat-man, den er kannte - das Kostüm war weiß, und anstatt der stilisierten Fledermaus trug sein Gegenüber einen Totenkopf.
"Nenn mich Nemesis, mein kleiner Freund" sagte der Mann, während er eine schwere Eisenstange in der Hand wog.

Der Fünfjährige tappte unsicher durch das Haus. Er hatte Durst - und er wollte niemanden wecken. Er war ja wohl alt genug, um sich ein Glas Milch zu holen, oder? Außerdem waren Mom und Dad eh nicht zu Hause - sie waren auf einem Kongress oder so... was auch immer das sein mochte... Da hörte der Junge ein Geräusch vom Hintereingang aus - der Tür, die von der Garage ins Haus führte. Da sah er einen Mann, ganz in Schwarz gekleidet, mit Skimaske. Ein Einbrecher! Jetzt mußte er ei-nen kühlen Kopf bewahren! Er folgte dem Einbrecher, verbarg sich in den Schatten - seltsam, der Einbrecher war zwar vor-sichtig, aber überhaupt nicht nervös, wie die im Fernsehen - er sah sich nicht um, wühlte nichts durch... er nahm sogar die Maske ab. Die Bösen im Fernsehen nahmen nie die Maske ab, bevor der Gute sie besiegte... Unter der Maske kamen kurz geschnittene, schwarze Haare zum Vorschein. Der... Fremde ging in die Küche und - nahm sich ein Glas Milch! Aber... Dann nahm er einen tiefen Schluck und drehte sich um. Aber das war... "Bruce? Warum zur Hölle liegst du nicht im Bett? Bruce?"

"Bruce? Jetzt wach doch endlich auf! Was ist..?"
Mit einem Ruck öffnete Bruce die Augen. Er war... eingeschlafen? Das war nicht möglich. Er schlief nicht ein, während er an einem Fall arbeitete. Niemals!! 
"Ich... ich habe... geträumt..."
"Geträumt? Bruce..."
"Du hast recht. Das war kein Traum. Eine Erinnerung. Ich habe mich an - Thomas erinnert! Es ist wahr, ich hatte einen Bruder. Und er war mehr... Muß in der Familie liegen..." Und Batman - grinste!! 
"Was meinst du, Bruce? Verdammt, wir kennen uns jetzt schon so lange - was willst du mir damit sagen?"
"Daß Thomas Wayne Junior als maskierter Wächter unterwegs war - er war der Schatten!"

Oracle hatte mitgehört. Ihre Finger flogen über die Tastatur. Shadow. Der Schatten. Ihr Rechner begann, Daten auszuspuk-ken. Nicht gerade viel, aber es reichte. Shadow. Eine Legende, die einige Jahre vor dem Tod der Waynes unterwegs gewesen war. Niemand wußte, ob es ihn wirklich gegeben hatte - die meisten Leute glaubten, er sei nur eine Art ´urbaner Mythos`. Ein Verbrechensjäger, der nie wie Batman öffentlich aufgetreten war - ohne das erschreckende Kostüm, ohne die technischen Spielereien - Shadows Stärke war gewesen, daß er wie ein... Schatten war, der hinter einem auftauchte, zuschlug, und ver-schwand. Keine Äußerung. Keine Warnung. Nur der Angriff und die Flucht. Und dann, etwa sechs Wochen vor dem Tod von Waynes Eltern, als die Leute langsam anfingen, an ihn zu glauben, war er verschwunden. Einfach nicht mehr aufgetaucht - einen guten Monat vor dem angeblichen Tod von Thomas Wayne Jr.!

"Also, dein Bruder war auch in langen Unterhosen unterwegs? Aber wieso..."
"Seltsam, nicht wahr? Plötzlich stürmte diese Erinnerung über mich herein... Als ich ihn damals ´demaskierte`, zufällig... Ich hatte es einfach... vergessen! Es war begraben, wie das meiste vor meiner zweiten Geburt. Jetzt kam es wieder nach oben, bei der Erwähnung von Thomas..."
"Erinnerst du dich an noch etwas? Es könnte wichtig sein!"
"Könnte es. Aber wir müssen Robin finden! Dem Jungen darf nichts passieren... Ich fürchte, ich weiß, wo wir ihn finden. Komm, Nightwing!"

"Aber Kleiner, du solltest wissen - man darf nicht jedem trauen... Es ist traurig, wenn man von jemandem verraten wird, dem man traut..."
In dem Moment trat eine Frau in Tims Gesichtskreis. Ein eiskaltes Grinsen. Und eine Armbrust. Huntress. Die Jägerin.
"Na, überrascht, mein junger Freund?", meinte Nemesis, mit einer Stimme, die Batmans Stimme erschreckend ähnlich klang...

Nightwing und Batman brauchten genau dreizehn Minuten bis zu ihrem Ziel. Einem alten Fabrikgelände. Einem bestimmten alten Fabrikgelände. Dem Platz, an dem Jason Todd gestorben war - Ironie des Schicksals! Und jetzt sollte sich wohl die Ge-schichte wiederholen...
"Wir müssen uns beeilen, Nightwing. Wir werden angreifen. Zuschlagen. Wie im Krieg. Schnell. Hart. Wir werden Robin be-freien. Alles andere ist nebensächlich!"
"Klar. Zeigen wir ihnen, wer in dieser Stadt groß und böse ist!"
"Ich vermisse Robin!"
"Er... er hat einen Witz gemacht... Batman hat einen Witz gemacht..."
Und das dynamische Duo schlug zu.

Nemesis schwang die Eisenstange. "Erinnerst du dich, wie dein Vorgänger in diesem Kostüm gestorben ist? History repeats istself! Huntress, schreite zur Tat!"
"Das... das ist nicht Huntress!!"
Nemesis zögerte für einen Moment. Dann grinste er. "Schade! Das hätte dem Ganzen doch eine besondere Würze gegeben... aber gut - Sonia, du kannst ruhig die Maske abnehmen! Darf ich vorstellen - Sonia de Boer - bald besser bekannt als Nighthawk! Mein Sidekick!"
"Aber ich dachte, wir wären Partner, TJ! Du kannst doch nicht einfach..."
"Töte ihn. Jetzt!"
"Erst müssen wir das ausdiskutieren..."
In dem Moment kamen Batman und Nightwing dazu. Mitten durchs Fenster. Nighthawk warf einen erschrockenen Blick auf die Neuankömmlinge - Nemesis blieb unbewegt. "So. Da bist du also - Batman. Langsam drehte er sich um, sah Batman an. "Endlich begegnen wir uns. Leider bist du zu spät. Wie so oft. Jetzt, Nighthawk!"
Nighthawk hob die Eisenstange, zielte auf Robins Kopf. Der versuchte verzweifelt, sich zu befreien. Es war ihm gelungen, die Knoten etwas zu lockern - aber es würde zu lange dauern, nicht reichen... Batman stieß einen verzweifelten Schrei aus, auch Nightwing hechtete nach vorne - trotz allem zu spät. Die Stange sauste auf Tims Kopf zu. Nur noch Millimeter trennten die Stange von seinem Kopf. Da surrte etwas. Traf die Stange. Prellte sie der jungen Frau aus der Hand. "Wißt ihr, ich mag es nicht, wenn man versucht, meinen Ruf zu versauen - ich bin..."
"Huntress. Endlich. Du bist spät." Die Antwort war typisch für den Dunklen Ritter. Ruhig. Überlegen. Selbstsicher. 
Nemesis reagierte mit stoischer Gelassenheit. Er grinste kalt. Wandte sich Batman zu. "Wir sehen uns wieder!" Und verschwand. Fast spurlos. Mit Nighthawk. Die beiden flohen durch das Tor... Nightwing wollte sofort hinter Nighthawk her. "Nein! Wir werden sie wiedersehen. Erst müssen wir mehr über sie in Erfahrung bringen! Laß sie!"
Nightwing wollte Nighthawk trotzdem verfolgen - bis ein Blick von Batman ihn stoppte. 
"Wir müssen nach Hause. Mehr über sie herausfinden. Ich muß wissen, wer Nemesis ist. Im Moment weiß ich nur, wer er nicht ist. Es ist nicht Thomas!"
"Was? Aber..."
"Vertrau mir. Das ist nicht mein Bruder!"
Das Funkgerät meldete sich mit einem Knistern.
"Sir, wir haben Besuch. Ein Mann, der behauptet, Ihr Bruder zu sein..."

Akt II: The Shadow and the Bat
 

(c) 2001 by Jororo

 
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