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Fan-Fiction

 

Nighthawk

Okay, diese Story ist fuer die "real life" Version von Jenny - aber noch mehr fuer Juliet- Wo wäre ich nur ohne dich...

Historical Note: Die Story spielt einige Wochen nach den Ereignissen von ´Nemesis`.

Es war später Abend in Gotham City. Polizeisirenen zerrissen die Stille der Nacht. Ein Mensch war ermordet worden. Kurz: eine ganz normale Nacht in dieser Stadt.

"Verdammte Schweinerei! Der Kerl sieht aus wie ausgeweidet..."
"Hallo, Harv, bin auch froh, dich zu sehen. Schmeckt der Donut?"
"Sicher, Montoya. Das wievielte Opfer ist das jetzt? Das dritte? Das vierte?"
"Was passiert nur in dieser Stadt? Seit einiger Zeit ist hier regelrecht der Teufel los..."
"Der Teufel, Detective? So weit würde ich nicht gehen... Psychotisches Verhalten kommt in einer Großstadt auf die seltsamsten Arten zum Vorschein."
"Hallo, Doctor Phillips, schön Sie zu sehen. Na, was können Sie uns sagen - ich meine, außer, daß der Mann tot ist..."
"Treffende Beobachtung, Bullock, hätte ich Ihnen gar nicht zugetraut. Es war dieselbe Täterin wie in den anderen Fällen. Kein Trittbrettfahrer."
"Sie glauben also immer noch, daß eine Frau diesen krankhaften Wahnsinn veranstaltet hat? Sie haben ein noch sonnigeres Gemüt als ich..."
"Ich habe Gründe für diese Annahme, Detective. Können Sie mir irgend etwas Neues sagen?"
"Negativ. Nada. Genau wie in den anderen Fällen. Wer oder was auch immer die Tat begeht, kommt aus dem Nichts, richtet ein Opfer hin und verschwindet. Punkt. Keine Spuren. Diese Täterin muß eine Kreatur der Nacht sein... Wie... na ja, ein Schatten, oder so..."
"Kein Schatten, Detective Bullock. Ein Falke. Ein Nachtfalke. Es ist Nighthawk!"
"Was? Hören Sie, wie kommen Sie auf die verrückte Idee, dem Killer - oder von mir aus der Killerin - einen Namen zu geben? Wenn die Presse davon erfährt, ist die Hölle los!"
"Ich dachte, zumindest der Teufel wäre schon los... Ich habe meine Quellen, Detective. Leider kann ich Ihnen noch nichts Genaueres sagen..."

Doktor Jenny Phillips gähnte ausgiebig. Sie ließ alle Fakten noch mal Revue passieren. Eine Killerin ging um in Gotham. Und sie hatte mit dem Mann zu tun, der Kelley Burton ermordet hatte.
Dieses Detail hatte sie nicht an den Tatorten erfahren, sondern von dem Mann, den sie selbst als ´Quelle` bezeichnete. Sie kannte seinen Namen nicht- seinen richtigen Namen, besser gesagt. Sie wußte nur, wie er sich nannte, wenn er die Maske trug. Dann war er Nightwing.
Nach dem ersten Mord war er gekommen und hatte ihr seine Hilfe angeboten. Unter der Bedingung, niemandem, vor allem nicht Batman, etwas von seiner Unterstützung zu verraten. Er hatte sofort gewußt, wer hinter den Morden steckte - ein Name, nicht mehr: Sonia de Boer. Nighthawk.

Vor ein paar Wochen war sie zum ersten Mal aufgetaucht, in Begleitung eines ´Anti- Batmans`, der sich Nemesis nannte. Und Doktor Burton ermordet hatte.
Um ihn zu stellen, war Jenny zum GCPD gewechselt. Doc Burton war ihr Mentor und Freund gewesen - fast eine Art Ersatzvater. Er hatte ihr durchs Studium geholfen, als sie drauf und dran gewesen war, alles hinzuschmeißen und zu ihrer Mutter zurück zu gehen. Er hatte ihr Mut gemacht, wenn sie den ganzen Wahnsinn an die Wand werfen und sich selbst aus dem Fenster stürzen wollte. Am Ende hatte er sie auf die freie Stelle in Arkham hingewiesen - und sie empfohlen.
Sie hatten sich in ihrem ersten Semester kennen gelernt - er der Gastdozent, der in diesem Semester ein Einführungsseminar leitete, sie die Anfängerin, die gerade ihr Studium begonnen hatte. Und sie hatten sich angefreundet - der Tod von Jennys Vater im August vor Beginn ihres Studiums hatte eine Lücke gerissen, die dieser bärbeißige Psychologe aus Leidenschaft ausfüllte - und er sah in ihr wohl die gelehrige Schülerin, die ihre Fähigkeiten unter seiner Führung voll entwickeln konnte.
Auch mit Burtons Familie hatte sie sich gut verstanden - seine Frau, damals noch das bluehende Leben, kein Vergleich mit dem Anblick, den sie... Jenny vertrieb das Bild einer todkranken Frau auf dem Krankenbett mit aller Kraft - hatte sie mit offenen Armen aufgenommen, und auch mit Joseph, dem einzigen Sohn des Doktors, war sie klar gekommen - vielleicht als einzige...
Nachdem sie ihr Examen bestanden hatte, war sie nach Arkham gegangen. Und zwei Monate später war Kelley tot. Ermordet. Von Nemesis. Scheinbar sinnlos - seine Art ´Hallo, ich bin da` zu sagen. Fast beiläufig hatte er das Leben des Doktors vernichtet. Und dafür wollte sie ihn hinter Gittern sehen - entweder im Knast oder, noch lieber, in Arkham, bei den anderen Wahnsinnigen.
Und Nightwing jagte Nighthawk, seine Juniorpartnerin. Sie wußte nicht genau, wieso Nightwing die junge Frau so sehr haßte - daß er es tat, war offensichtlich. Sie war sich sicher, daß diese Sonia ihn einmal tief verletzt hatte. Aber eigentlich war es ihr auch egal - wenn man Nighthawk erwischte, bekam man auch Nemesis, so einfach war das. Und das war ihr Ziel.
Sie setzte sich an ihren Rechner und verfaßte einen kurzen Bericht, den sie per E- Mail an die Adresse schickte, die Nightwing ihr genannt hatte. Dann sah sie nach, ob er ihr eine Nachricht hatte zukommen lassen. Nein, gar nichts. Offensichtlich hatte Nightwing noch nichts herausgefunden - zumindest nichts, das ihnen weiter half.
Doktor Phillips entschloß sich, endlich ins Bett zu gehen. Morgen (na ja - heute, in vier Stunden!) war auch ein Tag...

Ein paar Stunden später kehrte auch Nightwing in das Hotel zurück, in das er sich einquartiert hatte, nachdem Nemesis erst mal besiegt worden war, ohne jemandem zu informieren, wo er sich befand - schon gar nicht Bruce!
Seitdem war er auf der Jagd nach Sonia. Sie hatte ihn benutzt, ihn regelrecht mißbraucht. Sie hatte ihn verletzt - geistig und körperlich.
Dicks Finger glitten über das silberdollar-große Brandmal, das er an seiner Seite trug, seit er Nighthawk begegnet war. Und sie hatte sein Verhältnis zu Barbara zerstört. Sie war ein Fleck auf dieser Beziehung, den er erst beseitigen mußte. Und das würde er! Sonia hatte versucht, ihn zu brechen - und einer von ihnen würde gebrochen werden. Er hoffte nur, daß nicht er es war... Dick Grayson legte sich erst mal ein paar Stunden aufs Ohr...

Es gab Tage, da haßte James Gordon seinen Beruf...
Heute war einer davon. Diese Morde reichten aus, um jeden Menschen in den Wahnsinn zu treiben- wieder eine Verrückte, die sich usgerechnet Gotham ausgesucht hatte, um hier ihr Unwesen zu treiben. Sollte ihn das überraschen? Das Verbrechen war wie eine Hydra- man schlug einen Kopf ab und zwei neue wuchsen nach. Und ausbrennen konnte man diese Hälse nicht...
Jim war müde... So etwas kannte er - es passierte ihm circa einmal im Monat. Normalerweise rief er dann Kelley Burton an und lud ihn auf ein Schachspiel ein. Die Zeiten waren vorbei...
Burton war tot. Ermordet. Wieder ein guter Freund, der gestorben war. Burtons Job war sein Leben gewesen.
Er hatte alles getan, um den gequälten Seelen in Arkham zu helfen. Dafür hatte er nicht nur sein berufliches Leben, sondern auch seine Freizeit geopfert...
Es gab nur wenige Menschen, die ihm nahe gestanden hatten - nur zwei, um genau zu sein, nachdem seine Frau vor einigen Jahren, nach fast dreißig-jähriger Ehe, an Krebs gestorben war: Sein Sohn Joseph und eine Studentin aus der Zeit, als er Arkham für kurze Zeit frustriert den Rücken gekehrt hatte.
Doktor Phillips war vom Tod ihres Mentors, Kollegen und Freundes sehr hart getroffen worden - und hatte die Anstalt, an der sie gemeinsam mit ihm gearbeitet hatte, umgehend verlassen....
Und Joseph? Der trieb sich irgendwo in der Weltgeschichte herum und wußte wahrscheinlich nicht einmal vom Tod seines Vaters...
Doch Arkhams Verlust war Gordons Gewinn... Trotz ihrer ihm wohlbekannten Schwäche für ´Superhelden` war sie die beste Profiler im gesamten Departement.
Und dies war ein extrem schmutziger Fall. Diese Verbrechen mußten aufhören - schon vier Morde in ebenso vielen Wochen. Bald würde eine regelrechte Panik ausbrechen, wenn nicht etwas geschah. Gordon setzte sich und rieb sich die Augen.
Es gab Tage, da haßte James Gordon seinen Beruf...

"Huntress, gib mir einen Lagebericht!"
"Hör zu, Batman, so geht das nicht! Ich habe tagsüber einen Beruf in Gotham! Ich halte die Doppelbelastung bald nicht mehr aus! Wann kann sich Nightwing wieder um Blüdhaven kümmern? Ich muß zurück nach Gotham!"
"Einwurf zur Kenntnis genommen. Lagebericht."
Huntress seufzte. Dieser Mann konnte eine normale Frau in den Wahnsinn treiben.
"Na ja, alles im normalen Bereich. Blüdhaven ist fast noch schlimmer als Gotham, also langweile ich mich wenigstens nicht... Ich melde mich, wenn es was Großes gibt, einverstanden?"
"Batman Ende!"
Batman schloß für einen Momentdie Augen. Er mochte Huntress` Methoden nicht- aber er vertraute ihr. Bis zu einem gewissen Grad. Und im Moment hatte er lieber jemanden in Blüdhaven, den er unter Kontrolle hatte.
Nightwing war dazu nicht in der Lage. Nicht im Moment jedenfalls. Er brauchte erst die entscheidende Konfrontation mit Nighthawk, um wieder zu seinem normalen Leben zurückkehren zu können.
Natürlich wußte Bruce, wo Dick untergetaucht war. Er hatte zwei Tage gebraucht, um seinen Aufenthaltsort herauszufinden - Dick war mittlerweile fast so gut wie sein Lehrmeister geworden...
Bruce entschloß sich, noch eine kurze Runde zu drehen, bevor er zu Bett ging...

Park schleppte seine müden Knochen nach Hause. Ein typischer Zehn-Stunden- Arbeitstag...
Lange würde er das nicht mehr durchhalten - er war jetzt 42 und machte diesen Job, seit er mit fünfzehn von der Schule geflogen war - na ja, nicht daß er besonders böse drum gewesen wäre...
Damals hatte er die Arbeit bei Wayne Industries angenommen. Und da drin steckte er jetzt, Vater von zwei Kindern, verheiratet mit einer Frau, die keinen Job hatte und sich lieber um die Kinder kümmerte...
Die meiste Zeit war er ganz zufrieden - sicher, der Job ging auf die Knochen, aber der Lohn war in Ordnung, und die Arbeitsplätze bei Wayne wenigstens relativ sicher... Nur diese Nachtschichten machten ihn fertig. Aber was sollte man machen? Wenn man dran war, war man dran... Und jeder Knochen in seinem Leib schmerzte...
Plötzlich viel ein Schatten auf ihn. Er sah auf - und sah eine Frau, ganz in Leder. Schwarz. Mit einer Maske vorm Gesicht.
"Hun... Huntress?", stammelte Park.
"Ts ts ts... Frauen mögen es gar nicht, wenn man sie verwechselt... Trage ich ein häßliches Kreuz? Sehe ich aus, als würde ich vor Ehrfurcht erfrieren, wenn eine Fledermaus vor mir herumflattert? Nein, nein, nein. Das war gar nicht gut! Ich mag dich nicht besonders."
Sie schwang sich auf die Straße und stand direkt vor ihm.
Plötzlich hielt sie ein Messer in der Hand und drückte es an seine Kehle. Dann riß sie ihre linke Faust vor und trieb sie Park zwischen die Beine.
"Ich bin dein schlimmster Alptraum, mein Freund! Bist du schon mal gestorben? Ich ja... mindestens tausend Mal. Es ist ein schönes Gefühl... So ruhig. So friedlich."
Ein Schlag mitten ins Gesicht. Park schmeckte sein eigenes Blut. Noch ein Schlag.
"Vertrau mir. Wenn du erst spürst, wie das Leben dich verläßt... Das ist wie ein Traum - nur daß du leider nicht wieder daraus erwachen wirst. Wenn ich mit dir fertig bin, werde ich nicht den Arzt rufen. Ich werde mir einfach ein neues Spielzeug holen..."
Sie packte seine Hand preßte sie an die Hauswand und - trieb das Messer durch Hand und Mauer.
"Eigentlich war ich ja fertig für heute... Redlich Tagewerk vollendet... Aber als ich dich gesehen hab, dachte ich so bei mir, ich könnte noch ne Überstunde drauflegen...Weißt du, was das ist?"
Sie zeigte ihm eine Art... Metallnadel. Lang und spitz...
"Damit kann man gewisse Teile der Anatomie- der männlichen Anatomie- sagen wir mal... unbrauchbar machen..."
"Vielleicht. Aber nicht heute. Nicht in meiner Stadt!"
Nighthawk fuhr herum. Batman. Natürlich. Darauf hatte sie gewartet. Früher oder später mußte ja jemand von der Familie auftauchen.
"Hallo, du große böse Flattermaus! Gar nicht nett, mir den Abend zu versauen - Girls just wanna have fun!"
Und sie verschwand in den Schatten. Batman folgte ihr - und verlor die Spur. Wie er erwartet hatte - es war noch nicht vorbei. Nemesis und Nighthawk. Er hatte wieder ein paar Puzzleteile zusammen. Er sah Park an.
"Ich rufe einen Arzt." Und verschwand.
Park hing immer noch an der Wand...

"Ba- Ba- Batman hat... mich gerettet... Der Batman ist gekommen und hat mich gerettet..."
Park war völlig mit den Nerven runter, als der Krankenwagen weg fuhr. Seine Wunden würden heilen - und er war mit dem Leben davon gekommen. Mehr, als man von den anderen behaupten konnte...

"Montoya, weißt du, was mich am meisten nervt? Daß diese Phillips gleich hier aufkreuzen und uns mit diesem Hab-ich`s-nicht-gesagt -Grinsen anlächeln wird..."
"Harv, wenn die Gute nicht zu jung für dich wäre, würde ich fast sagen, du bist verliebt..."
"Sei doch still... Ißt du den Donut noch?"
"Nimm dir nur... Okay, sollen wir eine Fahndung nach der maskierten Irren rausgeben?"
"Nach einer Frau im Ganzkörperkondom? In Gotham? Dein Humor ist echt herzerfrischend, Montoya. Das hier ist kein Fall, den wir gelöst kriegen. Wir müssen uns wieder auf den großen Dunklen verlassen... Komm, unsere Schicht ist um. Geh'n wir einen Kaffee trinken..."
"Okay Harv. Eigentlich bist du doch ganz in Ordnung, egal, was die Andern sagen..."
"So? Was sagen die andern denn?"
"Vertrau mir, du willst es nicht wissen."

Ein einzelner Raum in einer kleinen Wohnung. Ein Mann saß im Wohnzimmer, die Ellbogen auf die Knie gestützt. Den Blick starr vor sich, ins Nichts, gerichtet.
"Wo warst du?"
"Oh, TJ, du bist noch auf... Ich hab mich noch ein wenig umgesehen..."
Der Mann sprang auf, umklammerte ihre Kehle mit stahlhartem Griff.
"Lüg mich nicht an, Sonia! Lüg mich niemals an, hörst du? Ich habe dir eine Frage gestellt. Du weißt, daß ich es hasse, Dinge zwei Mal zu tun. Also?"
Mit einem schnellen Schlag versuchte die junge Frau den stahlharten Griff des Mannes zu sprengen. Vergeblich. Ein wilder Ausdruck war in den Augen des Mannes - etwas von einem verwundeten, gehetzten Tier. Unbarmherzig hielt Thomas Wayne III Sonias Kehle umklammert.
"Ich... ich habe... versucht,... noch so einen... Mistkerl zu erwischen... Aber dein Onkel... kam mir... dazwischen... Jetzt... laß mich los... du tust... mir weh..."
Thomas ließ sie los. Keuchend rang Sonia nach Luft. Dann - plötzlich - warf sie sich nach vorne, ihre Hände griffen nach Thomas` Hals. Der konnte nicht mehr reagieren, kippte hinten über, lag auf dem Boden.
Sonia trieb ihm das Knie zwischen die Beine und zischte: "Hör mir gut zu, Thomas! Wenn du das noch ein Mal machst, nur noch ein einziges Mal, kannst du dir eine neue Partnerin suchen, klar?"
Jetzt war es Thomas, der nur noch keuchte.
"Ist das klar?"
Er nickte, und Sonia ließ ihn gehen. Hustend setzte der junge Mann sich auf. Seltsam. Man hätte die beiden für ein Liebespaar halten können. Dabei waren sie alles andere als das. Sie wurden nur vom Hass getrieben. Sie waren Nighthawk und Nemesis.

Bruce warf einen Blick auf den Computerterminal. Sonia de Boer. Viel wußten sie nicht über die junge Frau.
Sie war 17. Der Vater war tot. Angehörige: eine Mutter und ein Stiefvater. Verschwunden: vor rund fünf Jahren. Wieder aufgetaucht: in Dick Graysons Schlafzimmer. Dazwischen: nichts. Krankengeschichte: eine nicht enden wollende Abfolge von Prellungen, blauen Flecken, einigen Brüchen, bis zum Umzug zur Mutter. Todesursache des Vaters: Haushaltsunfall, als die Tochter acht war. Danach: Übernahme des Sorgerechts durch die Mutter und den Stiefvater. Vermißtenmeldung: etwa 72 Stunden nach ihrem letzten Auftauchen. Nicht gefunden.
Bruce runzelte die Stirn. Er mußte die Daten Doktor Phillips zukommen lassen, damit Nightwing sie erfuhr...

Es wurde Abend. Und aus Dick Grayson wurde Nightwing. Er hatte den ganzen Tag versucht, etwas heraus zu finden - das war etwas schwierig, weil er Oracles Hilfe noch nicht wieder in Anspruch nehmen wollte.
Aber auch mit Barbaras Hilfe wäre er wohl kaum weiter gekommen- die Informationen über Sonia waren sehr dünn gesät. Die junge Frau schien fünf Jahre lang nicht existiert zu...
Da kam Nightwing plötzlich eine Idee. Seine Finger huschten über die Tastatur seines Laptop. Er verglich die Reiserouten, die sie von Don Manfredo kannten, mit Sonias Verschwinden. Bingo! Genau zu Sonias Verschwinden war der Mafiadon in Seattle gewesen- genau von dort war Sonia damals verschwunden... Wenigstens ein Stein, der ins Puzzle paßte...

Das Mädchen duckte sich, versuchte, den Schlägen mit der metallenen Gürtelschnalle auszuweichen. Meist vergeblich.
"Du bist ja so dämlich! Was fällt dir ein! Ich erwarte doch wohl wirklich nicht zu viel von dir, oder?"
Ein von Tränen ersticktes "Nein, Dad." war die Antwort.
"Es ist doch nicht zu viel verlangt, wenn ich den ganzen Tag nach Arbeit suche, daß du verzogenes Gör wenigstens die Wohnung sauber machst und das Essen kochst, oder?"
Wieder ein verängstigtes "Nein, Dad."
"Du bist genauso ein Miststück wie deine Mutter! Das nächste mal tust du, was ich dir sage, hast du das verstanden?"
"Ja, Dad."
"Gut, und jetzt- wach auf. Hörst du, wach auf..."

"Verdammt noch mal, Sonia, jetzt wach endlich auf! Du hast lange genug geschlafen, meinst du nicht?"
Sonia öffnete die Augen. Sie zitterte immer noch, von dem Traum, der Erinnerung. Ihr Vater. Sie hatte ihn gehaßt. Und gefürchtet.
"Komm schon, wir haben zu arbeiten!"

Nightwing glitt durch die Nacht. Wie immer - auf der Suche nach Nighthawk. Auf der Jagd nach dem Falken. Nach der Jägerin. Nach seinem schlimmsten Alptraum. Plötzlich bemerkte er eine Bewegung aus den Augenwinkeln. Er federte herum, um sich dem Neuankömmling zu stellen. Der Schwung der Drehung brachte ihn an den Rand des Daches.
Da sah er, wer sein Gegner war. Ein Mann. Hoch gewachsen. Weißes Kostüm. Es war Nemesis.
Ohne Vorwarnung griff Bruce´ Neffe an. Nightwing reagierte gedankenschnell. Er wußte nicht, ob er Nemesis besiegen konnte - nach allem, was er wußte, war Nemesis genauso gut ausgebildet wie Batman, der gleiche Kampfeswille - aber er war jünger, agiler, vielleicht noch gefährlicher.
Nightwing dagegen war nicht in Bestform. Wahrscheinlich hätte er trotzdem versucht, es mit Nemesis aufzunehmen - hätte er nicht einige Meter unter sich eine Bewegung bemerkt. Wer immer das war, trug schwarz.
Nighthawk! Nightwing nahm den kürzesten Weg: über die Dachkante. Seine Hände flogen nach vorne, bekamen das Fensterbrett zu fassen. Einem ungeübten Menschen wären die Arme aus den Gelenken gerissen worden - Dick war seit frühester Jugend auf solche Aktionen spezialisiert. Nur eine Zehntelsekunde später stand er sicher und hastete weiter. Noch ein kurzer Sprung und er stand auf dem Dach, auf dem er die Bewegung gesehen hatte. Er sah sich um. Ihm war klar, daß Nemesis ihm folgen würde.
Etwas schwarzes raste auf ihn zu. Eine schnelle Drehung, ein Kippen zur Seite. Er rollte über die Schulter an und kam auf die Füße. Keine Sekunde zu früh. Auch Nighthawk hatte nach seinem Ausweichen gedankenschnell reagiert. Die beiden standen sich gegenüber.
Eins wurde Nightwing klar - diese Frau war eine Waffe, mindestens ebenso gefährlich wie er selbst. Das Brandmal begann zu pochen, sandte Schmerzsignale durch den ganzen Körper. Er musterte sie einen Moment. Betrachtete Nighthawks Kostüm. Es hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit dem von Huntress - dunkel, eng anliegend. Aber es gab Unterschiede. Natürlich fehlte das Kreuz. Die Maske war noch etwas schmaler. Und Schwarz war die einzige Farbe am gesamten Kostüm. An den Handschuhen waren ausfahrbare Krallen befestigt, die wie die Klauen von Greifvögeln wirkten. Und am Gürtel trug sie eine Schnalle - ein stilisierter Falkenkopf.
Aus dem Augenwinkel sah er schon die nächste Bewegung. Nemesis.
"Nein, Nemesis! Das hier geht nur den Wunderknaben und mich etwas an! Verschwinde! Du hattest doch sowieso noch was zu tun, oder?"
Nightwing wartete ab. Es arbeitete hinter seiner Stirn. Gegen beide auf einmal hatte er nicht den Hauch einer Chance. Da stieß Nemesis ein Lachen aus.
"Dann wünsche ich dir viel Spaß, Sonia..." und verschwand...
Nightwing war allein mit seiner Gegnerin. Von einem Moment zum anderen wurde er völlig ruhig.
Seine Muskeln spannten sich. Seine Augen verengten sich. Er lauerte darauf, daß Nighthawk einen Fehler machte.
Und auch sie lauerte, wie ein Falke, der am Himmel kreiste, bereit, vom einen Moment auf den andern zuzustoßen. Für einige Momente standen sie so, dann kam Bewegung in das Bild.
Nighthawk sprang vor, die Krallen auf Nightwings Gesicht gerichtet. Der fiel nicht auf die Finte rein. Eine kurze Drehung und Nightwings Hand zuckte vor, um den Tritt abzublocken, den Nighthawk eigentlich hatte anbringen wollen.
Jetzt war er dran. Er wollte nicht spielen, sondern die Sache zu Ende bringen. Seine Faust flog nach vorne. Er versuchte keine Tricks - und genau damit rechnete seine Gegnerin nicht. Sie wartete auf eine Finte. Deshalb kam die Faust fast ungebremst durch, erst im letzten Moment nahm sie den Kopf beiseite.
Nighthawk kam für einen Moment ins Wanken. Jetzt setzte Nightwing nach. Sein Fuß flog hoch. Jetzt konnte er die wenigen Zentimeter Größenvorteil, die er besaß, voll ausspielen. Er traf das Kinn der Frau - fast! Im letzten Moment tauchte Sonia ab, drehte sich und brachte ihren Fuß nach oben.
Sie erwischte um ein Haar die empfindlichste Stelle der männlichen Anatomie, aber in letzter Sekunde konnte Nightwing durch eine Drehung seinen Oberschenkel zwischen die Stelle und Nighthawks Fuß bringen.
Jetzt war es Dick, der leicht taumelte. Und der Falke stieß auf ihn herab. Nightwing zuckte zurück - und konnte nicht verhindern, daß sie eine Reihe von roten Striemen auf seinem Gesicht hinterließ. Blut lief über Nightwings Gesicht und behinderte seine Sicht. Jetzt war er eindeutig im Nachteil. Die Kleine war gut. Blieb nur noch die Frage, ob sie so gut war wie er.
Nighthawk versuchte, sich in dem Teil seines Blickfelds zu bewegen, der durch das Blut behindert wurde. Fast widerwillig mußte Nightwing die Fähigkeiten der Frau anerkennen. Er mußte dieses Spiel beenden. Innerhalb kürzester Zeit. Sonst würde er den Kürzeren ziehen. Diesmal war er es, der angriff. Sein Fuß flog nach oben. In dem Moment, in dem Nighthawk den Tritt abblocken wollte, ließ sich Dick fallen und rollte unter ihrer Deckung durch, kam auf die Füße und setzte Sonia aus kürzester Entfernung die Faust ans Kinn.
Nighthawk taumelte, blieb aber noch auf den Beinen. Ein harter Tritt in die Magengrube. Damit war der Kampf vorbei. Oder? In Sonia regte sich noch mal Widerstand. Sie hechtete nach vorne und versuchte, Nightwing mit ihrem Schwung an die nächste Hauswand zu treiben. Der Aufprall trieb ihm die Luft aus den Lungen. Dick versuchte, sich mit einem Schlag in die Nieren zu befreien. Keuchend trennten sich die beiden. Nightwings Atem ging nur noch rasselnd. Er war erschöpft. Genau wie Sonia. Auch sie war fast am Ende. Sie umkreisten sich erneut. Langsam. Lauernd. Die nächste Runde würde den Kampf entscheiden.
Wieder griff Nightwing an. Er hämmerte seinen Fuß gegen ihr Knie. Ein unangenehmes Knacken ertönte, als das Knie brach. Sonia stieß einen schmerzerfüllten Schrei aus und sank auf den Boden.
Mitleidlos sah Nightwing auf sie herab und trat näher. Er nahm ihr Kinn in die eine Hand, ballte die andere zur Faust und -
"Das ist aber nicht die feine Kavaliersart, oder?"
Nemesis. Nightwings Kopf zuckte zurück. Da stand er, überlegen lächelnd. Nighthawk hatte das Bewusstsein verloren.

"Du gottverdammte Schlampe!"
Fluchend stand der Mann auf der Leiter. In der Hand hielt er eine Glühbirne, die er gerade aus der Fassung gedreht hatte. In der anderen Hand hielt er eine deutlich kleinere Birne.
"Wie konntest du nur so dämlich sein, mir die falsche Birne zu geben? Bist du denn für alles zu dämlich? Gib mir sofort die richtige! Jetzt!"
Das Mädchen begann zu schluchzen.
"Hör auf zu heulen, du blödes Ding! Hol mir die Birne!!!"
Plötzlich trat ein harter Ausdruck in die Augen des Kindes. Diese Beschimpfung war der Tropfen, der das Faß zum Überlaufen brachte. Ein wütender Tritt gegen die Leiter. Ein Ausbruch, der so lange auf sich hatte warten lassen. Die Leiter schwankte.
"He, was fällt dir ein, du..."
Sie kippte. Und der Kopf des Mannes schlug genau auf der Heizung auf.
"Daddy! Sag doch was! Was ist denn, Daddy? Daddy! Es tut mir leid, Daddy. Daddy!"
Zwei Tage blieb das Mädchen in der Küche sitzen, über den toten Körper ihres Vaters gebeugt, regungslos. Dann endlich rief eine Nachbarin die Polizei. Ihr war aufgefallen, daß aus der Wohnung keinerlei Geräusche mehr zu hören waren, nicht mal der abendliche Fernseher. Schließlich hatte sie geklingelt. Keine Reaktion. Ein paar Stunden später hatte sie den Notruf gewählt.

Die Mutter entschloß sich, die Tochter zu sich und ihrem Mann zu holen, obwohl sie die Tochter seit ihrem Auszug nicht gesehen hatte. Als sie die Zehnjährige in die Arme nahm, meinte sie: "Ab jetzt wird alles anders, mein Schatz."
Sie hatte recht. Aus einer andauernden Folter wurde der siebte Kreis der Hölle.

"Seien wir realistisch, Junior! Der große böse Bat - Man ist nicht hier - und du bist angeschlagen! Die Frage ist jetzt nur, ob ich dich schnell oder langsam töte, für das, was du der Kleinen angetan hast! Weißt du, sie ist eine ungezogene Nervensäge, die viel zu viel redet, aber immerhin ist sie meine Nervensäge! Und ich mag es gar nicht, wenn jemand mein Eigentum kaputt macht. Mein Großvater hat sie gefunden und mir geschenkt, weißt du? Und deshalb solltest du ihr nichts tun."
Nemesis kam näher. Nightwing spannte sich noch einmal. Er wußte, daß es Wahnsinn war, gegen Nemesis anzutreten, in seinem Zustand, geschwächt vom Kampf gegen Nighthawk.
Nemesis war wütend, das konnte er in seinen Augen sehen. Er betrachtete Nighthawk als sein Eigentum, als Werkzeug, das er benutzte, wie es ihm gefiel.
Nemesis griff an. Er kannte keine Gnade. Nightwing wehrte sich, versuchte, die Angriffe abzublocken. Vergeblich.
"Nemesis! Warum suchst du dir nicht jemanden von deiner Größe!"
Natürlich. Wie immer. Er war immer dann da, wenn man ihn brauchte. Der Batman.

"Gefällt es dir bei deiner Mutter und mir, meine Kleine?"
"Ja, Sir."
"Aber, aber, wir sind doch eine Familie! Nenn mich Dad!"
"Sie sind aber nicht mein Dad, Sir!"
Ein Lachen. "Gut, dann nenn mich doch einfach John, Schätzchen!"
"Gut, Sir - John."
"Richtig so!" Seine Hand strich über ihr Gesicht. "Und jetzt hol mir noch ein Bier, meine Süße, sei so gut..."
"Okay!"
"Weißt du, Schätzchen, du bist schon jetzt hübscher als deine Mutter..."

Batman und Nemesis. Sie standen sich erneut gegenüber. Erleichtert sank Nightwing zurück. Es sah so aus, als sollte er diese Nacht überleben. Aber Nemesis machte nicht den Eindruck, als hätte er große Lust, sich an diesem Abend schon wieder mit dem Besten anzulegen. Er verzog das Gesicht zu einem Grinsen.
"Aber Onki Bruce! Ich bin noch nicht so weit, mit dir zu spielen! Ich muß erst noch ein bißchen üben, weißt du? Wir sehen uns bei Gelegenheit!"
Eine kurze Bewegung - und Nemesis war verschwunden. Für einen Moment überlegte Batman, ob er ihm folgen sollte. Dann fiel sein Blick auf Nightwing. Mit ein paar Schritten war er bei ihm.
"Bist du in Ordnung, Nightwing?"
"Wie in alten Zeiten, oder? Du paßt immer noch auf mich auf wie auf ein kleines Kind..."
"Nicht wie auf ein kleines Kind, aber ich passe auf dich auf. Dafür hatman doch eine Familie, oder?"
"Hilf mir hoch, alter Mann. Wir müssen der Polizei ein Päckchen abliefern..."

"Hör zu, es tut mir leid, was da passiert ist, aber... Oh mein Gott, du siehst einfach so gut aus! Du wirst doch deiner Mutter nichts erzählen, oder? Sie wird dir kein Wort glauben, und dann kommst in ein Heim, wo sie schlimme Dinge mit kleinen Mädchen wie dir machen, Sonia... Versprich mir, daß du deiner Mutter nichts sagst, hörst du? Du darfst ihr auf keinen Fall etwas sagen - ihr nicht und auch sonst niemandem, klar? Versprichst du mir das? Wenn du nur nicht so gut aussehen würdest..."
Schluchzend versprach das Mädchen, das sich im Bad eingeschlossen hatte, alles zu tun, was der Mann verlangte, solange sie nur nicht ins Heim mußte...

"Ist sie wieder bei Bewußtsein?"
"Noch nicht. Wie haben Sie sie erwischt, Nightwing?"
"Reines Glück. Zufall. Als Nemesis auftauchte, war ich überzeugt, es wäre vorbei. Einen Moment lang dachte ich, er würde mich töten. Zum Glück war Batman da..."
"Er bedeutet Ihnen sehr viel, oder?"
"Doctor Phillips, ich glaube, das geht Sie nichts an, oder?"
"Natürlich nicht. Aber Sie sollten sich erinnern, daß ich Psychologin bin. Ich möchte Ihnen helfen. Sie können mir vertrauen."
"Sie haben wohl recht... Batman ist wie großer Bruder für mich - meine Familie. Er hat mich aufgenommen, als ich niemanden hatte... Er war immer mein Mentor - die eine Hälfte meines Lebens wollte ich so sein wie er - die andere habe ich versucht, mich von ihm zu lösen... Jetzt sind wir Freunde."

Das kleine Mädchen rannte, als wäre der Teufel hinter ihr her. Sie war heute morgen aufgewacht - ihre Mutter würde heute Abend nicht zuhause sein, und das hieß, daß John wieder zu ihr kommen würde. Wie jeden Abend, wenn Mom nicht da war, seit fast zwei Jahren. Sie war aufgewacht und hatte dieses Gefühl gehabt, das sie noch nie gespürt hatte (sie hatte es gespürt, vor zwei Jahren, als ihr Vater auf der Leiter gestanden hatte, aber ihr Verstand hatte die gesamte Sache vergessen...) - eine Mischung aus Entschlossenheit und Wut.
Sie war einfach weg gelaufen - und würde nie zurück gehen! Unter keinen Umständen! Niemals!
Ihre Schritte wurden langsamer. Bald ging sie nur noch stockend, aber immer weiter geradeaus. Sie hatte keine Ahnung, wohin - nur weg! Das war alles, was zählte. So verbrachte sie den ganzen Tag. Sie wanderte ziellos durch die Stadt. es wurde dunkel.
Sonia kauerte sich in einem Hauseingang, schlang die Hände um die Oberschenkel und senkte den Kopf auf die Knie. Langsam bog ein schwarzer Wagen um die Ecke und hielt direkt vor ihr. Sonia sah nicht auf. Die Tür des Wagens - ein schwarzer Rolls Royce - schwang auf und zwei Männer stiegen heraus. Der eine war um die sechzig, korpulent, gut gekleidet. Sah aus wie das Klischee -eines Mafiaboßes. Der andere konnte nur einige Jahre älter sein als sie selbst. Er sah durchtrainiert aus und war mindestens ebenso gut gekleidet wie der ältere Mann. Der Blick des Jüngeren fiel auf Sonia, die sich ganz in die Ecke gekauert hatte und versuchte, unsichtbar zu werden.
Der junge Mann stutzte für einen Moment, musterte das Mädchen eingehend. Flüsternd unterhielt er sich mit dem älteren. Nach einem kurzen Gespräch hielt er ihr die Hand hin.
"Soll ich dir helfen, Kleines? Komm mit uns... Ich bin Thomas, und das ist Manfredo, mein Großvater..."
Sonia sah auf - und griff nach der Hand, die ihr angeboten wurde...

"Bist du zufrieden? Du hast sie besiegt."
"Ja. Das habe ich. Wird sie wieder gesund?"
"Ihr Knie wird wieder völlig hergestellt werden.. Im Moment ist Doktor Phillips bei ihr. Sie will herausfinden, ob Nighthawk in ein normales Gefängnis oder nach Arkham kommt."
"Was ist mit Nemesis?"
"Er plant etwas. Der Verlust von Sonia könnte seine Pläne stören - aber es ist noch nicht vorbei. Wir hören von Nemesis!"
"Du weißt, wo du mich findest, oder?"

Die Wohnungstür öffnete sich. die Frau trat ein, legte den Mantel ab, hängte ihn auf den Haken, streichelte kurz ihren Hund (einen Zwergpudel mit einem sonnigen Gemüt) und setzte sich an den Schreibtisch.
"Und?"
"Huch, haben Sie mich erschreckt! Mein Gott, warum können Sie nicht einfach die Tür benutzen? Ist das so schwer? Sie klingeln, sagen, hallo, hier ist Mr. Nightwing, und ich lasse Sie hochkommen! Aber nein, Sie kommen wie ein Dieb in der Nacht..."
"Wie geht es ihr? Wann schaffen Sie sie ins Gefängnis?"
"Ich habe mich vorhin kurz mit ihr unterhalten - setzen Sie sich!"
"Was versuchen Sie mir zu sagen?"
"Sonia de Boer wird in Arkham eingewiesen, zumindest bis auf Weiteres. Ich kehre an meine alte Stelle zurück, um mit ihr zu arbeiten..."
"Wie bitte? Hören Sie, Nighthawk ist wahnsinnig, ein wildes Tier! Sperren Sie sie ein und werfen Sie den Schlüssel weg, solange Sie noch können!"
"Sie irren sich. Ich spüre, daß da etwas in ihr ist, das nach Hilfe schreit. Und genau das ist mein Beruf! Deshalb habe ich studiert- um Menschen zu helfen, nicht, um kranke Hirne zu erforschen und irre Mörder zu fangen! Tief in ihr drin ist immer noch das kleine Mädchen, das getretene Kind! Wahrscheinlich ist es zu spät- aber vielleicht kann ich ihr noch helfen! Bei der Jagd nach Nemesis kann ich wenig tun - aber vielleicht kann ich Nighthawk ihre Menschlichkeit zurückgeben! Nemesis taucht von ganz alleine wieder auf, und ich will nicht Jahre meines Lebens mit einer sinnlosen Warterei vergeuden! Sonia de Boer ist eine junge Frau, die Schreckliches durchgemacht haben muß! Sie ist ein Opfer, keine Täterin!"
"Ob die Angehörigen ihrer Opfer da wohl Ihrer Meinung sein werden, Doktor? Sie hat..."
"Ich weiß! Und wenn ich feststelle, daß sie die Taten nicht nur begangen hat, sondern auch dafür verantwortlich ist, werde ich sie in eine finstere Zelle sperren! Sie mußte gestoppt werden - aber ihr muß auch geholfen werden!"
"Hören Sie..."
"Was?"
"Ich muß gehen!"
"Warten Sie..."
Zu spät. Nightwing war schon verschwunden. Doktor Phillips schüttelte den Kopf und schenkte sich ein Glas Sherry ein, setzte sich und blickte nachdenklich auf den dunklen Bildschirm ihres Computers.

Nightwing saß da und wachte über Gotham. Eigentlich wachte er mehr über sich selbst. Hinter seiner Stirn arbeitete es. Was nun? Er hatte Sonia besiegt - aber es war kein Sieg, über den er sich freuen konnte.
Einen kurzen Moment lang, auf dem Dach, war es nicht um den Feind gegangen, den er besiegen mußte, er hatte Sonia weh tun wollen, hatte gewollt, daß sie so litt, wie er gelitten hatte. Für einen kurzen Moment hatte er das Geräusch genossen, mit dem ihr Knochen brach - dann war er zur Vernunft gekommen. Er war Nightwing! Er zerstörte nicht, er half!
Um ein Haar hätte er die Kontrolle verloren, wäre zu einem von denen geworden, die er stets bekämpfte...
Seine Hand glitt unter das Kostüm, über das Brandmal, das sie ihm beigebracht hatte. Es schien ein wenig kleiner geworden zu sein...
Nightwing zog das kleine Funkgerät aus der Tasche.
"Nightwing an Oracle! Hi Barbara! Hast du heute abend schon was vor? Ich würde mich gerne mal wieder mit einem Freund unterhalten..."

The End

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