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Fan-Fiction

 
"It's Party Time"
(aus Signal #4)

     Ich war auf einer dieser Hollywood-Parties, zu denen man eingeladen wird, weil man bekannt ist, und zu denen man gehen muß, um bekannt zu bleiben, und ich hatte, zugegebenermaßen, schon mehr getrunken, als mir eigentlich gut tat. Ich weiß gar nicht mehr, wer der Gastgeber dieser obskuren Veranstaltung war, aber das wußte ich eigentlich nie. Meistens wurde mir eine Visitenkarte mit den Worten "Sie sollten unbedingt kommen, es wird mit Sicherheit ein unvergeßliches Ereignis!" in die Hand gedrückt, ich fragte dann bei gewissen Leuten nach, wie wichtig die Person, auf deren Gästeliste ich stand, in unserer Branche war, und dann ging ich entweder hin, oder ich ließ es bleiben.

     Eigentlich bestand für mich keine Notwendigkeit, der heutigen Einladung Folge zu leisten, aus irgendeinem unerfindlichen Grund aber zog es mich hierher. Dabei hatte ich vorgehabt, den Abend in geruhsamer Einsamkeit mit einem guten Buch und einem edlen Tropfen zu verbringen. Doch kaum hatte ich es mir in meinem Ohrensessel bequem gemacht, begann ich unruhig zu werden, es fiel mir schwer, mich auf den Inhalt des Romans zu konzentrieren, der Wein schmeckte schal und abgestanden, kurz - ich war unfähig, mich zu entspannen.

     Ruhelos begann ich, auf und ab zu laufen, bis ich irgendwann vor der Kommode stand, auf der der Inhalt aufgehäuft war, der sich im Laufe des Tages in meinen Taschen angesammelt hatte. Mein Blick fiel auf eine kleine, weiße Karte, die sich zwischen all dem Krimskrams befand. In grellgrüner Schrift stand darauf zu lesen: ‚It’s Party Time - und wer nicht kommt, ist ein Idiot!‘. Ich konnte mich nicht daran erinnern, diese Zeile bei Erhalt der Karte gelesen zu haben, dabei war die Schriftfarbe schlicht unübersehbar.

     "Wer nicht kommt, ist ein Idiot!", murmelte ich leise vor mich hin, und während ich mich umzog, hallten diese Worte in meinem Kopf wieder, lauter und lauter, steigerten sich zu einem nicht enden wollenden Creszendo, das abrupt abbrach, als ich die Tür meines Hauses hinter mir ins Schloß fallen hörte.

     Während ich den Taxifahrer bezahlte, hörte ich schon den Partylärm. Der Chauffeur grinste mich an: "Scheint ja eine Superparty zu sein ..." ‚und wer nicht kommt, ist ein Idiot!‘ setzte ich in Gedanken hinzu. Ich sah ihm kurz nach, als er davon fuhr, und für den Bruchteil einer Sekunde wünschte ich mir, er würde anhalten, und mich wieder nach Hause mitnehmen. Doch dann bog der Wagen in eine Straße ein und die Chance war vorbei.

     Die Eingangstür stand offen und ich betrat das Haus. Auf der Karte hatte nichts von einem Kostümfest gestanden, dennoch waren alle der schätzungsweise fünfzig bis achtzig Anwesenden auf sonderbare, schrille Art und Weise gekleidet und ich kam mir ein wenig deplaciert vor. Doch dann erkannte ich ein paar Leute und fühlte mich gleich etwas wohler. Ein Kellner servierte mir ein Glas Champagner, das ich dankend annahm, denn meine Kehle war wie ausgetrocknet. Ich lehrte das Glas auf einen Zug und nahm mir gleich noch ein zweites, dann trat ich zu einer Gruppe und grüßte: "Hi Jim, wie geht’s? Tolles Ding, was du da als letztes gedreht hast! Tommy, alter Junge, na - noch immer auf der Flucht?"

     Das erwartete Gelächter auf den zugegebener Maßen etwas abgegriffenen Scherz blieb aus, dafür bedachte man meine Worte mit einem müden Grinsen - oder war es eher ein drohendes? Glücklicherweise entdeckte ich einen Bekannten, mit dem ich mich immer vorzüglich verstanden hatte, also murmelte ich noch ein paar Belanglosigkeiten und ging dann in seine Richtung. Auf dem Weg tauschte ich noch schnell mein leeres Glas gegen ein weiteres volles.

     "Arnie, Mensch, Kumpel, daß du in diesem Kostüm hier herumläufst, oh Mann, ich hätte nicht gedacht, daß du das Teil freiwillig noch mal anziehen würdest. Oder bezahlt man dich dafür? Wieviel, komm, sag schon, wieviel bekommst du dafür?" Ich wollte mich ausschütten vor Lachen, allein bei dem Anblick der schweren Rüstung brach mir der Schweiß aus und ich trank hastig mein Glas leer. Sofort war ein Bediensteter an meiner Seite, der mir ein gefülltes Glas in die Hand drückte.

     "Gar nichts", knurrte Arnie mich an. Wahrscheinlich war mir der Champagner schon etwas zu Kopf gestiegen, denn Arnies Stimme klang in meinen Ohren ganz anders als sonst. Egal, Hauptsache, ich konnte mich mit irgend jemandem unterhalten, denn ich bereute mittlerweile sehr, überhaupt hierher gekommen zu sein und begann, mich zunehmend unwohl zu fühlen.

     "Wie g...gehdes denn d...d...deinner Frau? Issie auch hier? Ich würrrde sie gerne mal widder ssehn!" Irgendwie fiel es mir schwer, die Worte deutlich zu formen, anscheinend hatte ich schon einen tüchtigen Schwips.

     "Sie ist in der Kryo-Kammer, wo sonst", mit diesem Satz ließ Arnie mich einfach stehen. ‚Kryo-Kammer?‘ wollte ich ihm hinterherrufen, aber mich überkam ein plötzliches Schwindelgefühl und ich suchte verzweifelt Halt an einer Säule, die glücklicherweise in meiner unmittelbaren Nähe stand.

     "Joel, wie sehr freue ich mich, Sie als Ehrengast auf unserem kleinen Fest begrüßen zu dürfen!"

     Beim Klang der Stimme, die meinen Namen rief, zuckte ich unwillkürlich zusammen. Sie kratzte wie ein Reibeisen meine Nervenenden entlang. Vorsichtig drehte ich mich zu dem Sprecher um.
Ein Mann kam mit weit ausgebreiteten Armen auf mich zu. Er trug einen violetten Anzug mit einer künstlichen Blume am Revers und hatte giftgrüne Haare, die mich an irgend etwas erinnerten. Am Auffälligsten aber war sein kalkweißes Gesicht, das zu einer abscheulichen grinsenden Grimasse verzerrt war. Wenn ich nur wüßte, woran mich die ganze Erscheinung erinnerte. Mein Hirn war völlig umnebelt. 

     Und wieder diese furchtbare Stimme, deren Klang mir Schauer über den Rücken jagte: "Ladies and Gentlemen, begrüßen Sie bitte mit mir den Mann, zu dessen Ehren wir hier heute zusammengetroffen sind - begrüßen Sie Joel ..." Mein Nachname ging bei dem frenetischen Applaus, der nun ertönte, unter, aber das störte mich nicht, denn mir war endlich eingefallen, woran ich mich so verzweifelt zu erinnern versuchte: Der Name des Mannes mit den giftgrünen Haaren!

     "Jack, sin‘ Ssie d...das? Ichch hädde Sie fass‘ nich er..kannd!" nuschelte ich ihn betrunken an. Er zog die Augenbrauen in die Höhe, was ihn noch diabolischer aussehen ließ und ich hätte alles dafür gegeben, nicht ausgerechnet im Mittelpunkt der Gesellschaft zu stehen, um mich unbemerkt aus dem Haus schleichen zu können.

     "Natürlich können Sie mich Jack nennen, lieber Joel, wenn Ihnen danach ist. Sie dürfen aber auch gerne Mr. J zu mir sagen!" Mit diesen Worten riß er die Arme hoch, drehte ein Pirouette und verbeugte sich mit Eleganz vor dem applaudierenden Publikum.

     Ich nehme an, daß der Alkohol mir mein Hirn noch mehr verschleiert hatte, als mir bis jetzt klar gewesen war, denn ich hatte auf einmal das Gefühl, als würden mir all die schrägen Vögel um mich herum immer näher kommen. Bedrohlich nahe näher kommen!

     Mr. J, wie ich ihn ja nennen durfte, spielte gedankenverloren an seiner Blume herum, dann sagte er: "Wissen Sie, Joel, es gibt da ein paar Dinge, die wir mit Ihnen klären möchten. Um genau zu sein - ZWEI! Dinge, die uns gar nicht gefallen, nein, gar nicht gefallen! Nicht wahr, Leute?" Die Antwort auf seine Frage war zustimmendes Gemurmel, und wieder hatte ich den Eindruck, daß der Durchmesser des Platzes, an dem ich stand, ein wenig kleiner geworden wäre.

      Nervös strich ich über mein Gesicht und merkte, daß es schweißnaß war. Gott, was wollten all diese Freaks von mir? Ich bemerkte ganz plötzlich, daß keiner der Typen, die ich für Bekannte gehalten hatte, tatsächlich auch nur den Hauch einer Ähnlichkeit aufwies. Wenn nur nicht dieses benommene Gefühl in meinem Kopf gewesen wäre. Drogen, ja, das war es, ich war nicht betrunken, ich stand unter Drog...

     "Möchten Sie einmal an meiner Blume riechen, Joel?"
Die schrille Stimme von Mr. J unterbrach meine Gedanken und unbewußt neigte ich meinen Kopf zu seinem Revers, um an der albernen künstlichen Blume zu schnuppern.

     Plötzlich klirrte zerbrechendes Glas, ein Sirren erfüllte die Luft, ein riesiger schwarzer Schatten tauchte unvermittelt hinter der kalkweißen Fratze auf, ergriff mich und flog mit mir davon. Ich hörte das Wutgeschrei und eilige Schritte, dann war ich aus dem Haus heraus und atmete frische Nachtluft.

     Ich fühlte, wie ich sanft zu Boden gelassen wurde. Unbeschreibliche Erleichterung durchflutete mich und überschwenglich wollte ich meinem Retter danken. Ich drehte mich zu ihm herum, doch ich erstarrte mitten in der Bewegung und wollte meinen Augen nicht trauen. Noch ein Maskierter! Doch dann glaubte ich zu verstehen.

     "Haha, o.k., George, das war‘s, zieh‘ die Maske ab." Der Maskierte starrte mich unbewegt an, die Arme vor der Brust verschränkt.

     "Äh, äh, Val? Val? Du bist es, nicht wahr? Hör mal, du wirst mir unsere Meinungsverschiedenheiten doch nicht übel nehmen, oder?" Keine Reaktion von dem Dunklen. Ich bekam Angst. Panik stieg in mir hoch.

     "M...M...Michael, Sie sind Michael, das sind Sie doch?" Ich schluckte und war kurz davor, wie ein kleines Kind zu weinen. Plötzlich fühlte ich mich von zwei kräftigen Fäusten am Hemdkragen gepackt und hochgezogen.

     "Ich habe Ihnen gerade das Leben gerettet, Joel. Die da drinnen wollten Hackfleisch aus Ihnen machen, ist Ihnen das klar?"

     Ich beeilte, mich zu nicken. Nahm denn dieser Wahnsinn heute Nacht überhaupt kein Ende mehr. Ich wollte nur noch nach Hause, in meine vier Wände, und nichts mehr sehen und hören.

     "Wissen Sie, warum diese Leute so böse auf Sie sind, Joel?" Ich hatte nicht die geringste Ahnung, und während ich den Kopf schüttelte, glaubte ich, seine Zähne knirschen zu hören.

     "Sie sind mit Ihrer Arbeit ausgesprochen unzufrieden", er ließ mich ganz plötzlich wieder los und wandte sich zum Gehen. 
"Also sorgen Sie dafür, daß der nächste Batman-Film besser wird, Mr. Schumacher!"

© 1999 Luise Rödig

 
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