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DC Premium #40:
Neue Horizonte 1
Der erste Superheld erschien 1938 und löste in den folgenden Jahren einen ungeahnten Boom aus. Die Anzahl der Superhelden wuchs dadurch sprunghaft an – es begann das "Goldene Zeitalter" der Superhelden und ihre Zahl vergrößerte sich von Woche zu Woche. Doch es währte nicht lange: Nach Ende des zweiten Weltkrieges erschien von der Unzahl der Superhelden-Hefte nur noch Superman, Batman und Wonder Woman. Den Rest hatte man vergessen. Aber wo waren sie geblieben, was machten sie in der Zwischenzeit und welche (ungeschriebenen) Abenteuer erlebten sie?
Autor und Zeichner Darwyn Cooke beginnt mit seiner Geschichte 1945. Der zweite Weltkrieg ist vorbei, viele neue stehen bevor: Südkorea, Kambodscha, das Wettrüsten und der Kalte Krieg. Und unsere bekannten Helden mittendrin.
Zu Beginn befindet sich der Leser auf einer Insel, welche die Zeit scheinbar vergessen hat: Saurier leben auf ihr und eine verschollene Truppe von ehemaligen US-Soldaten (The Losers samt Hund Pooch) ist hier gestrandet. Sie sollen einen deutschen Wissenschaftler und seine Eskorte suchen, zu der auch Colonel Rick Flagg gehört. Der letzte Überlebende der Losers findet Flagg, der seinerseits ebenfalls der letzte Überlebende ist: Die Dinosaurier haben seine Gruppe dezimiert. Der Letzte der Losers verhilft Flagg zur Flucht, bleibt aber auf der Insel zurück, um zu versuchen, seine Kameraden zu rächen. Ein aussichtloses Unterfangen – die Losers haben aufgehört zu existieren.
Immer wieder kreuzen sich die Wege bekannter Helden und Persönlichkeiten: So lässt Cooke Wildcat (Ted Grant) wahrhaftig mit dem noch nicht so bekannten 26-jährigen Cassius Clay kämpfen (und gewinnen). Und Vizepräsident Nixon selbst verhindert, dass Wonder Woman ihre ganz privaten und erschütternden Erlebnisse aus dem Krieg in Korea öffentlich schildern kann.
An keiner Stelle lässt es der Autor aus, Kritik an dem "American Way of Life" zu üben, der es schon mal zulässt, zu töten. Er spart nicht mit Seitenhieben gegen die damalige US-Außenpolitik, die, so vor Augen geführt, erkennen lässt, dass sie heute immer noch Doktrin ist, genauso falsch wie damals und sich überlebt haben müsste.
In der realen Welt ist es die Zeit, in der Amerika nach den Sternen strebt und man die bemannte Raumfahrt erstmals in der Geschichte der Menschheit ernsthaft für möglich hält. Mit dem Interesse an fremden Himmelskörpern, steigt aber auch gleichzeitig die Angst der Bevölkerung vor üblen Monstern außerirdischer Herkunft. Nicht zuletzt angeheizt durch zahllose Kinofilme und Comics dieser Zeit.
Und im Comic schafft es der von der Öffentlichkeit völlig unbemerkte Wissenschaftler Dr. Erdel, mit seinen seltsamen Experimenten ein solches Wesen auf die Erde zu "transportieren". Sein Anblick ist so erschütternd, dass er diesen mit seinem sofortigen Ableben bezahlt. Nun ist der Fremde hier auf der Erde und muss ganz unfreiwillig mit dieser neuen Situation zurechtkommen. Sein Herkunftsplanet ist der Mars und sein Name J'Onn J'Onzz, der Martian Manhunter. Der Fremde aber verfügt über phantastische Fähigkeiten und nicht zuletzt über Intelligenz, Weitblick, Vorsicht und einer schier grenzenlosen Hilfsbereitschaft und Loyalität gegenüber der Menschheit. Welch ein Glück für uns. Um unerkannt unter uns leben zu können, nimmt er die Identität des Privatdetektiven John Jones an und ermittelt mit einer unglaublich großen Erfolgsquote. Zusammen mit Slam Bradley streift er um die Häuser.
Aber nicht nur Außerirische erscheinen, sondern auch neue kostümierte Vigilanten – einer davon in einem lächerlichen Fledermauskostüm: The Batman. Aber schon das erste Zusammentreffen zwischen ihm und dem Duo Slam Bradley/John Jones lässt dieses Bild relativieren. Seine ganzes Auftreten, seine Art zu kämpfen und sich zu gebären lässt einem "das Blut in den Adern gefrieren. Der Ausdruck auf seinem Gesicht – die Töne, die dem Mistkerl unter ihm entweichen." Er versteht es wirklich, Angst in die Herzen von Kriminellen zu senden.
Meinung Die Idee von Darwyn Cooke ist nicht ganz uninteressant. Das Verschwinden und Wiederauftauchen der zahllosen Superhelden, auch aus der zweiten Reihe, mit tatsächlichen historischen Begebenheiten der jüngsten amerikanischen Geschichte zu vermengen und daraus ein großes Epos zu formen, wurde nicht umsonst mit einen Eisner-Award für die beste Mini-Serie belohnt.
Alle marschieren sie auf und es macht unheimlich viel Spaß, ihren Abenteuern zu folgen. Gerade die weniger bekannten Figuren beleben die Spannung – und erkennt man eine Figur oder einen Namen, so steigert das noch einmal den Lesegenuss. Überall kann man bekannte Namen entdecken, etwa. als Namenszug unter einer Überschrift in einer Zeitung: Vicki Vale.
Um noch einige mehr zu nennen: The Losers, Challangers of the Unkown, Suicide Squad, Blackhawks, Sea Devils, Doom Patrol, Metal Men, und, und, und, und, und,.....
Darwyn Cookes Panelaufteilung ist klar. Meistens drei gleichgroße waagerechte Panels, unterbrochen – bei wichtigen Szenen - durch vereinzelte Splashpages oder Seiten mit sechs gleichgroßen Quadraten. Seine Bilder sind Kunstwerke – eine einmalige Symbiose aus Bild und Text. Die Personen zeigen Emotionen, seine Charakterisierungen sind knapp, aber tief und präzise. Obwohl sein Stil minimalistisch wirkt, vermag er mit ganz wenigen Sätzen und Bildern unglaublich viel auszudrücken. Wie in dem Dialog zwischen Batman und dem Martian Manhunter: "Den Burschen aus Metropolis habe ich mit einem 70.000 Dollar teuren Meteoritensplitter aufgehalten. Bei ihnen brauche ich nur fünf Cent für Streichhölzer."
Die künstlerischen Wurzeln liegen beim Trickfilm - so hat er an unter anderem bei “Batman Beyond“ mitgearbeitet. Seine Herkunft kann er nicht ganz verleugnen, legt er doch sehr viel wert auf kontinuierlichen Storyaufbau und logische Aneinanderreihung von Sequenzen.
Will Eisner hat einmal gesagt, die besten Comic-Storys sind die, bei denen der Autor und der Zeichner dieselbe Person ist. Nach der Lektüre von "Neue Horizonte" wird diese Vermutung ein weiteres Mal bestätigt.
Von Darwyn Cooke ist ebenfalls DC Premium #23: "Catwoman - Selinas großer Coup" erschienen. Gemeinsam mit Ed Brubaker hat er "Catwoman: Das dunkle Ende der Straße" und "Catwoman: Böse kleine Stadt" geschaffen.
Details DC Premium 40: Neue Horizonte 1 Enthält: US-DC: The New Frontier #1 bis #3 Erscheinungsdatum: 24.11.2005 Text und Zeichnungen: Darwyn Cooke Farben: Dave Stewart aus dem Amerikanischen von Christian Heiß Softcover/Hardcover; € 23,90/28,90 192 Seiten; farbig Panini/DC Comics
Norbert Elbers
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